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"Irak, Syrien, Afghanistan, Ägypten, vielleicht noch der Sezessions-Konflikt in Mali oder der M23-Konflikt im Kongo." Bis auf diese wenigen Schlaglichter lässt die öffentliche Berichterstattung hinsichtlich gewalttätiger Konflikte stark zu wünschen übrig und ist allgemein sehr kurzfristig und sensationsorientiert ausgelegt.  So werden viele wichtige Ereignisse ignoriert und entscheidende Zusammenhänge des geopolitischen Geschehens übersehen.

Das Projekt „365 Tage – Vergessene Konflikte“  wurde durch das Start-Up-Unternehmen CONIAS Risk Intelligence ins Leben gerufen, um einen innovativen Weg zu gehen auf vergessene Konflikte aufmerksam zu machen.

Im Rahmen dieses Projekts werden ein Jahr lang regelmäßig vergessene Konflikte vorgestellt und dazu Newsletter mit Hintergrundinformationen und detaillierten Analysen versendet. Ziel des Projekts ist es, auf die vielen Konflikte in der Welt aufmerksam zu machen, die nicht im Fokus des öffentlichen Interesses stehen und dennoch die Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen beeinträchtigen. Hierzu werden die Konflikte in ihrer Gesamtheit vorgestellt und nicht nur die aktuellen medialen Trends mit angeblich wichtigen Stichpunkten und Eckdaten wiedergeben. Um ein tiefgehendes Verständnis zu ermöglichen und die weitreichenden Auswirkungen abschätzen zu können, erarbeiten die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich Analysen durch die Recherche und das Auswerten regionaler und internationaler Quellen. Das Ziel ist die Veröffentlichung wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der inzwischen jahrzehntelangen Beschäftigung mit politischen Konflikten und Kriegen. Dabei ist es uns ein Anliegen, den Konflikten und insbesondere deren Opfern jene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die ihnen sonst meist verwehrt wird.

Hinter dieser Idee steckt die CONIAS Risk Intelligence, ein sehr junges Unternehmen, das jüngst aus der Heidelberger Konfliktforschung hervorgegangen ist. An der Universität Heidelberg wird seit nunmehr 20 Jahren mit dem „Heidelberger Konfliktbarometer“ eine jährliche globale Konfliktübersicht erstellt, die inzwischen als eine der wichtigsten Referenzquellen gilt, wenn es um aktuelle Zahlen und Beispiele für die Entwicklung des globalen Konfliktgeschehens geht. Das Besondere am Heidelberger Konfliktansatz ist, dass er politische Konflikte als soziale Systeme begreift, die auf Kommunikation basieren und damit viel besser und genauer die vielen innerstaatlichen, kleineren Konflikte erfassen kann als vergleichbare Konfliktdatenbanken, die erst ab einen Schwellenwert von 1.000 Todesopfern Kriege erkennen. Mit dem Heidelberger Ansatz können so nicht nur inner- und zwischenstaatliche Konflikte, sondern auch die seit 1990 immer häufigeren gewaltsamen Konflikte erfasst werden, die unterhalb der Kriegsschwelle ausgetragen werden und dennoch unzähliges Leid durch Tod, Flucht und Vertreibung verursachen. Daneben gibt es eine wissenschaftliche Datenbank, die Daten zum kompletten Konfliktgeschehen seit 1945 erfasst. Auf diese Weise ist eine weltweit einzigartige Datensammlung zu mehr als 970 politischen Konflikten und deren Entwicklungsdynamiken entstanden, die auch für die Wissenschaft neue Erkenntnisse bereit hält, weil sie Informationen über viele „vergessene Konflikte“ zur Verfügung stellt.

 

Gelesen 5126 mal Letzte Änderung am Samstag, 01 Februar 2014 21:16
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